26.03.2026

IOC kehrt ab Olympia 2028 zu Geschlechtstests zurück

Der Fall von Imane Khelif sorgte 2024 für Aufsehen (AFP - MOHD RASFAN - SID)

Das Internationale Olympische Komitee (IOC) führt zur Klärung der Startberechtigung in Frauenwettbewerben genetische Geschlechtstests ein. Wie das IOC am Donnerstag mitteilte, gilt die neue Regelung ab den Olympischen Spielen 2028 in Los Angeles und umfasst sowohl Einzel- als auch Teamsportarten.

Diese Maßnahme schließt faktisch Transgender-Athletinnen und einen Großteil der intersexuellen Athletinnen, die zwar genetische Variationen aufweisen, aber von Geburt an als weiblich gelten, vom Frauensport aus. Von der Regelung ausgenommen sind Athletinnen, die eine "vollständige Unempfindlichkeit gegenüber Androgenen" nachweisen können, also die fehlende Fähigkeit ihres Körpers, Testosteron zu verwerten.

"Die Teilnahmeberechtigung an allen Wettbewerben der Frauenkategorien bei Olympischen Spielen oder anderen IOC-Veranstaltungen ist ab sofort auf biologische Frauen beschränkt, die auf der Grundlage eines einmaligen SRY-Gen-Screenings bestimmt werden", teilte das IOC mit. Geschlechtstest bei Olympia hatte es zuletzt 1996 in Atlanta gegeben.

Das SRY-Gen sitzt auf dem Y-Chromosom und setzt im Regelfall eine männliche Geschlechtsentwicklung in Gang. Die Untersuchung kann per Speichelprobe, Wangenschleimhautabstrich oder Blutuntersuchung erfolgen. Laut IOC soll der Test nur einmal nötig sein.

Die Ringe-Organisation nimmt unter Präsidentin Kirsty Coventry, die seit Juni 2025 im Amt ist, somit eine Kurskorrektur vor. "Ich bin sehr stolz", sagte sie bei einer Presskonferenz am Donnerstagnachmittag.

Der sich mit der Maßnahme weitgehend deckende Kurs von US-Präsident Donald Trump in dieser Frage habe keine Rolle gespielt. "Das Thema war mir schon wichtig, bevor Trump wieder ins Amt gekommen ist", erklärte die Simbabwerin. Sie habe "keinen Druck von irgendjemandem außerhalb der olympischen Bewegung" verspürt.

Hintergrund ist der Streit um Startberechtigungen am olympischen Boxturnier 2024. Damals waren die Algerierin Imane Khelif und Lin Yuting aus Taiwan zunächst bei der WM 2023 vom Weltverband IBA ausgeschlossen worden, weil sie angeblich einen Testosteron-Test nicht bestanden hatten. In Paris durften sie aber starten, weil für das IOC allein das Geschlecht im Pass ausschlaggebend war. Wie Lin gewann auch Khelif in ihrer Gewichtsklasse - begleitet von Angriffen und einer Desinformationskampagne konservativer Kreise, die sie als "Mann, der gegen Frauen kämpft" darstellte - die Goldmedaille.

Lin wurde inzwischen auch von World Boxing für Starts in der Frauenkategorie zugelassen - jenem Verband, der 2028 in Los Angeles die Verantwortung für den Boxwettbewerb trägt.

Auch der Leichtathletik-Weltverband World Athletics hatte vor der WM in Tokio im vergangenen September einen SRY-Test für Starterinnen obligatorisch eingeführt. Der Schritt zog Zustimmung, aber auch Kritik nach sich. "Für ein sehr kleines Problem werden enorme Ressourcen aufgewendet, während die wirklich drängenden Themen - Doping, Missbrauch, Gewalt im Sport - weiter bestehen", hatte die zweimalige Weitsprung-Weltmeisterin Malaika Mihambo damals dem SID gesagt.

Erst vor einer Woche hatte auch die Sports and Rights Alliance, in der mehrere Menschenrechtsorganisationen arbeiten, Kritik an der sich abzeichnenden IOC-Entscheidung geäußert. "Eine Politik der Geschlechtsüberprüfung und des generellen Ausschlusses wäre eine katastrophale Aushöhlung der Rechte und der Sicherheit von Frauen", sagte Geschäftsführern Andrea Florence.


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