Nur Kooij zu stark: Kanter spurtet überraschend auf Rang zwei
Kooij jubelt, Kanter (r.) fehlt ein Stück zum Sieg (AFP - ANNE-CHRISTINE POUJOULAT - SID)
Max Kanter trat mit voller Kraft in die Pedale und musste sich am Ende nur dem überragenden Olav Kooij geschlagen geben. Der 28-Jährige vom Team XDS Astana hat beim ersten Massenspurt-Spektakel der Tour de France einen Premierensieg nur knapp verpasst. Kooij (Decathlon–CMA CGM) triumphierte beim Highspeed-Finale in Pau vor dem Cottbuser und Tim Merlier aus Belgien.
"Es war ziemlich nervös im Feld", sagte Kanter, der zuvor auch beim Zwischensprint geglänzt hatte, in der ARD. "Jeder wollte vorne fahren, dadurch ist es halt extrem stressig gewesen. Jeder wollte in der richtigen Position sein." Kanter selbst gelang das hervorragend.
Pascal Ackermann (Kandel/Jayco-AlUla) und Phil Bauhaus (Bocholt/Bahrain Victorious) an seinem 32. Geburtstag verpassten eine Platzierung in den Top-Ten. Die deutschen Radprofis müssen trotz der Topleistung von Kanter, der seinem größten Karriereerfolg ganz nahe kam, weiter auf den ersten Etappensieg bei der Tour seit fünf Jahren warten.
Auf der ersten von nur fünf Etappen, bei denen sich die "reinen" Sprinter Siegchancen ausrechnen dürfen, ließen es die Topfavoriten gemütlich angehen. Titelverteidiger Tadej Pogacar rollte wie sein Rivale Jonas Vingegaard mit dem Feld ins Ziel.
Der Norweger Torstein Träen, der am Dienstag ins Gelbe Trikot gestürmt war, verteidigte gemeinsam mit seinem Team problemlos den Spitzenplatz in der Gesamtwertung. Ihn trennen weiter 7:53 Minuten vom derzeit viertplatzierten Pogacar. In der Schlussphase kamen gleich mehrere Fahrer zu Fall und sorgten für zusätzliche Hektik im Feld, die Topfahrer waren aber nicht betroffen.
"Heute geht das Kribbeln im Bauch los, heute kommt das Tour-de-France-Feeling auf", hatte Pascal Ackermann vor Etappenstart in der ARD gesagt, während auch Phil Bauhaus an seinem 32. Geburtstag ein spannendes Finale voraussagte: "Ich fühle mich gut, heute wird das erste Mal richtig hektisch und eng zugehen", sagte der Bocholter.
Zunächst aber war wenig los. Bei erneut großer Hitze ließ es das Peloton auf den 158,3 weitgehend flachen Kilometern ruhig angehen. Auch die frühe Attacke des Franzosen Baptiste Veistroffe schien kaum einen Fahrer zu interessieren - und so sollte der Mann von Lotto Intermarché lange Zeit den Alleinunterhalter an der Spitze geben.
Spannend wurde es erst bei der Sprintwertung rund 45 km vor dem Ziel, bei der sich Kanter überraschend den zweiten Platz hinter Veistroffe erspurtete. Das aussichtslose Unterfangen des Führenden, der zwischenzeitlich von einer Verfolgergruppe gejagt wurde, endete schließlich 15 km vor dem Ziel, weil die Teams der endschnellen Männer nach einem lange langatmigen Nachmittag nun ernst machten.
Immerhin: Am Donnerstag wird es nicht erst am Ende spektakulär werden - auf der sechsten Etappe, dem einzig echten Pyrenäen-Teilstück wartet das erste ganz große Highlight der Tour. Es stehen mit dem Col d'Aspin und dem Tourmalet zwei legendäre Giganten auf dem Programm. Die Entscheidung um den Tagessieg, um den auch die Favoriten kämpfen könnten, fällt am nur wenig steilen Schlussanstieg zum Felsenkessel Cirque de Gavarnie.
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